Unausgeglichenheit - Fixierung auf Rap

 

Mein Lebensalltag wurde monatelang zum reinsten Stress, denn mein Tagesablauf bestand nur noch aus Texten schreiben, aufnehmen und mischen. Wenn ich ein Ziel vor Augen habe und unbedingt wieder was Kreatives machen will, häng ich mich da dermaßen rein, das ich jeglichen anderen Freizeitluxus vergesse. Am 18. Juli war es soweit, ich hatte es geschafft. Nicht nur das ich unendlich Stolz auf mein neues Album "Nur Ein Stück Zeit" war, ich hab es sogar geschafft mit meinem damaligen Idolrapper Metrickz einen Song aufzunehmen. Der Track wurde auch erst kurz vor Albumrelease fertig. Das Album ist bis heute eines meiner Lieblingsalben, denn es stecken viele Erinnerungen in den Songs, da ich in dieser Zeit oft alleine war. Das Album erschien am 18.06.2010 im Internet, und mit wirklichem Stolz kann ich sagen "Daniel du hast da eine richtig gute Arbeit geleistet", denn dieses Album bin einfach ich. Der Name "Nur Ein Stück Zeit" ist eigentlich eine Kritik an alle Leute, die keinen Respekt vor der Musik haben. Denn egal wie viel ich erzähle, wie viel Stunden ich in jeden Song gesteckte habe, für andere wird es nach ein paar Wochen nur ein Stück Zeit sein, die mich zwingt es auch nur ein Stück Zeit meines Lebens zu betrachten. So oft kam schon der Gedanke einfach alles hinzuschmeißen, mich endlich anderen Dingen zu widmen. Ein ganz normales Leben zu führen, aber der Drang in mir selbst lässt mich noch nicht aufhören, deswegen habe ich das Rappen bis heute noch nicht aufgegeben

 

Zwei Gesichter - gespaltene Persönlichkeit

 

Nach dem Album bekam ich bei Youtube, wo ich mittlerweile sehr aktiv war, 800 Abonnenten dazu, womit ich schon bei fast 1700 gelandet war. Doch meine Kraft ging langsam zu Ende. Ich merkte wie der Rap mich veränderte. Ich war unzufrieden mit mir selbst. War das wirklich das, was ich gewollt hab? Ich hatte für nichts anderes mehr Zeit, meine ganze Freizeit verschrieb ich dem Rap, und auch wenn ich aufhören wollte, konnte ich es nicht, es war eine Sucht zur Musik, ich musste immer wieder etwas Neues machen. All mein Leiden und all meine Probleme in Bezug auf dieses Thema schrieb ich in dem Song "Nur ein bisschen Respekt" nieder, der meinen Ausstieg aus der Rapszene darstellen sollte. Ich tat es wirklich, ich hörte mit Rap auf, doch in den kommenden Wochen galt es eine riesengroße Lücke zu ersetzen. Wie füllt man etwas, das dein ganzes Leben war. Nach einem Monat schrieb ich einen 6 minutenlangen Track und tauchte wieder auf der Bildfläche auf. Ich hatte gemerkt, dass ich nicht ohne Rap kann und somit beschloss ich wieder mich an ein neues Projekt zu setzen.

 
 
 

Das Projekt, das am Ende den Namen "Zwei Gesichter" trug. Zwei Gesichter aus dem Grund, da ich mich oft fragte wer ich überhaupt bin. Auf der einen Seite gibt es Blazin'Daniel, auf der anderen Daniel Koch, mich als ganz normalen Menschen so wie jeder andere auch. Ich sah Blazin'Daniel schon als zweite Person, die Schattenseite von Daniel Koch, da ich das Gefühl hatte mein ganz normales Mensch-sein verloren zu haben. Auf der Straße riefen alle auch nur noch "Blazin" und nicht mehr Daniel. Es war so als wär mein Rapper Dasein zu meinem kompletten Ich geworden.

 

Der Gedanke macht mir Angst, da ich mir oft wünschte ich hätte niemals mit Rap angefangen und ein ganz normales Leben geführt mit Hobbys wie Fußball, Tischtennis und Tennis wie ich sie jetzt auch habe, doch jeder kennt mich nur noch als Blazin'Daniel, sie verbinden mit mir, dass ich bekannt bin und sehen zu mir auf oder hassen mich. Mein eigentliches Bild für das ich stehen sollte sind Songs, die aus dem Herzen kommen und geschrieben wurden, doch dennnoch gibt es von mir Songs, die das komplette Gegenteil sind wie "Sein Wie Ich", "Sie Will Den Fame", "Superstars",.. all die arroganten Songs, die unter die Gürtelinie gehen.

 

Wahrscheinlich sind diese auch irgendwo ein Teil von mir, doch oft hab ich mich dafür geschämt, weil ich nicht mich selbst darin sah. Was das Besondere an dem Album "Zwei Gesichter" war, war der Song "P.S. Ich Liebe Dich". Das ist der erste Lovesong, den ich jemals aus meinem Herzen für jemanden geschrieben habe. Er geht an an meine Freundin, an das Gute in meinem Leben, der Mensch, der mir am Nächsten steht.

 

Veränderung - Reflektion der letzten Jahre

 

Der Nachteil bei meinen Releases war, dass ich immer schon 8-10 Songs vorher bei Youtube veröffentlicht hatte, damit nahm ich dem Hörer jegliche Spannung. Es ärgerte mich, also beschloss ich mich an ein neues Riesenprojekt zu setzen. Ich wollte ein Album aufnehmen, wo man vorher maximal zwei Songs kennen sollte, also setze ich mich noch im selben Jahr 2011 daran über 20 neue Songs zu schreiben. In diesem Album reflektierte ich mich selber sehr viel, ich dachte über all meine Entscheidungen und Taten nach, die ich getroffen und begangen hatte. Ich habe so viele Fehler in meinem Leben gemacht und es tat mir vieles so unendlich Leid, dass ich für die Menschen in meinem näheren Umfeld so wenig Zeit aufbrachte, dass ich für meine Mutter fast nie da bin, das meine Freundin wegen mir so geweint hat, da ich ihr unbewusst auf eine Weise oft weh getan habe. Auch der Song "Mein Idol" zeichnet einen Wendepunkt in meinem Leben. Der Rapper, den ich einst so gefeiert hatte, war in meinen Augen gestorben. Ich habe mich zu lange selbst in einen Schatten gestellt, in den ich nicht gehöre. Was hinter den Kulissen abgelaufen war, war unverzeihlich. Mein Youtubeaccount, der mittlerweile über 6000 Abonnenten hatte, wurde gelöscht. Danach brach eine Welt für mich zusammen, alles was ich mir die letzten 5 Jahre aufgebaut hatte, lief über diesen Kanal. Doch mit der Zeit nach der Löschung beginn ich plötzlich an völlig anders zu denken, wie dumm ich doch war, es hat sich nichts verändert, ich habe immer noch alle Fans von vorher, nur keine Klickzahlen mehr und somit hab ich beschlossen wieder alles aufzubauen. Nach einem Monat hatte ich alle meine Songs mit neuen Covern und HD Qualität auf meinem neuen Youtubechannel wieder hochgeladen. Klicks waren mir egal, Hauptsache man konnte Zugang zu meinen Songs bekommen. Diese Dinge verarbeitete ich in dem Album was heute den Namen "Jeder Anfang Hat Ein Ende" trägt.