Irgendwann kommt alles zurück #Karma

 

Seit ich denken kann, bin ich der gewesen, der in keinem Kreis Anschluss fand, da ich niemals das Verlangen nach Alkohol, Partys oder oberflächlichen Gesprächen hatte. Ich führte im wahrsten Sinne des Wortes ein irreales Leben neben der Gesellschaft und ihren Normen. Meine Erziehung hat mich zu einem unabhängigen, freien Mann gemacht. Ich habe meinem Leben eine Bestimmung gegeben, die Bestimmung meine Gefühle durch das Ventil der Rapmusik auszudrücken und damit gleichzeitig für viele andere Menschen zu sprechen. In meiner Heimatstadt hat man sich lange über mich lustig gemacht. Dennoch stand ich da und schmiedete Pläne für das nächste Album. In Bezug auf die Vergangenheit war der passenden Titel für mich keine große Überlegung. Karma würde es heißen. Es schrieb sich wie von Geisterhand, man hätte es auch Authentizität 2 nennen können, da diese Eigenschaft auch in Zukunft auf jeden meiner Songs zutreffen wird, aber Karma gefiel mir, er hatte den Beigeschmack des Bumerangs, den ich nun auf die Leute zurückwerfen würde.

Karma, ein neues Album, das hieß arbeiten bis der Arzt kommt. Ich setzte die Messlatte noch höher und begann die Albumarbeiten einen Monat nach Authentizität. Vieles musste geplant werden. Wieder einmal konnte ich mich auf Paul verlassen, mit dem ich eine komplett neue Internetpräsenz plante, da die bisherige Page nicht mehr up to date und langsam veraltet war. Durch seine Programmierkenntnisse wurde über die Monate der neue Shop mit einem Content Management System aufgesetzt. Es war alles nun leichter zu handeln als zu vor, auch wenn mir die letzte Homepage sehr gefallen hatte. Für die Beats sorgte dieses Mal ausschließlich Mariobeatz, der mit ganzen 13 Beats auf dem Album vertreten ist. Co-produziert KsTBeats mit 2 unglaublichen Brettern und diverse Andere. Das ganze Album ist auch heute rückblickend noch ein unglaublich facettenreicher Longplayer. Neu war auch, dass das Album zum ersten Mal gemastert wurde, was die Songs noch mal um einiges aufwertete. Es war ein hektischer Kampf mit der Zeit bis zum Releaseday, aber es war ein Stress, den ich als schön bezeichnen würde.

 

Nichts liebte ich mehr als auf ein weit entferntes Ziel hinzuarbeiten. Ich hatte mir auch für dieses Album vier verschiedene Editionen zusammengestellt, die dem Fan alle Möglichkeiten einer Auswahl boten. Diesmal gab es erstmals ein riesen Poster mit dazu und es freute mich besonders, dass sich die Edition mit jeglichem Zubehör und dem höchsten Preis trotzdem so gut verkaufte. Das Gefühl, dass ich mit dem selbst geschriebenen, dem selbst aufgenommenem und aus der ganzen eigenen Kreativität Geld zu VERDIENEN war unbeschreiblich. Ich denke ich hatte das Gefühl der Selbstverwirklichung erlebt. Ehrgeiz war für mich schon immer das höchste anzustrebende Ziel. Während andere Rapper und Kollegen einmal in zwei Jahren einen Release planten, wurde ich zur Songfabrik.

Es gibt genau 2 Leitsätze nach denen ich lebe:
1. “Wo ein Wille ist, ist ein Weg.”
2. “Wer will sucht Wege, wer nicht will sucht Gründe.”

Zu viele Menschen quatschten mir rum und erfanden Ausreden. Ich war es so leid mich auf andere zu verlassen. Ich featurte nur Leute, auf die ich mich verlassen konnte und die ich unbedingt mit drauf haben wollte und erschuf in Rekordzeit einen weiteren Longplayer, der mein Leben der letzten Monate widerspiegelte. Wenn ihr von euch überzeugt seid, lasst euch niemals irgendetwas anderes einreden. Ihr könnt andere Meinungen akzeptieren, doch ihr dürft nie vergessen: am wichtigsten ist das, was ihr von euch selbst haltet.

 

Insgesamt verkaufte sich das Karma Album physisch 206 und digital 123 Mal. Es war etwas weniger als bei beim ersten Release Authentizität, allerdings waren 66 Einheiten davon als Edition mit T-Shirt, Hoodie oder Poster was das Ganze wieder zum Guten wendete. Ich war stolz auch ein zweites Mal einen Traum auf's Neue verwirklicht zu haben und krönte das Ganze mit einem Releasekonzert am 29. März 2014 im Musiktheater in Kassel, bei dem 60 Leute aus den verschiedensten Ecken aus Deutschland kamen nur um mich zu sehen. Ich kam mit meinem kleinen Kreis an Freunden und wir waren wie ein Team. Paul sorgte für den guten Klang beim Soundcheck, Jerome und Julian waren die Djs und mein Kenan und ich rockten die Bühne und hatten einen der besten Abende unseres Lebens. Dazu muss man wissen, dass mir mehrere Backups vorher kurzfristig abgesprungen waren und so der Kontakt zu Kenan zu Stande kam, wodurch wir auch zu Freunden wurden. Meine Mutter führte an dem Abend den Merchandisestand, an dem Shirts, Hoodies und CDs von mir verkauft wurden. Ich wollte ihn erst nicht aufbauen, da ich mir dachte es würde sich sowieso nichts verkaufen und es den Aufwand nicht lohnen würde. Zum Glück entschied ich mich doch dafür, denn es war der volle Erfolg und die Leute supporteten mich.

 

Ich bin kein Schwätzer, ich bin ein Macher. Für mich gibt es keine Stoppschilder oder Hindernisse, die man nicht überwinden kann. Und ich denke genau das ist es, was mich als Künstler auszeichnet. Ich lebe nicht nach Vorschriften und Normen wie es sein sollte. Ich habe meine eigenen Vorstellungen wie das Leben auszusehen hat.

Nach meinem letzten Album wollte ich tatsächlich eine Pause einlegen, doch nach wenigen Wochen merkte ich, welche Leere ohne Rap in meinem Leben entstand. Ab diesem Zeitpunkt wurde mir klar, dass Rap für mich kein Hobby mehr war. Es ist meine Berufung. Hätte ich nicht immer wieder den Glauben an mich selbst wiedergefunden, hätte keiner meiner Releases je stattgefunden.

Es ist das A und O im Musikbusiness. Du weißt nicht, ob deine nächste CD schon vielleicht keiner mehr kaufen wird. Du musst es riskieren, eine Garantie gibt es nie, doch letztendlich freue ich mich einfach zu sehr auf meine eigene CD, als dass ich mich von ungewissen Käuferzahlen aufhalten lassen würde. Die Leute, ob viele oder wenige, werden sich freuen. Es ist 2015 und es geht volle Fahrt voraus, DENN die Dinge haben nur den Wert, den man ihnen verleiht.