Play.
Es gab zu viele Jahre, in denen ich die Flucht ergriff, trag die Last auf meinen Schultern, merk wie
schwer mein Rucksack ist.
Der Rucksack gepackt mit Identität.
Rache, Enttäuschung, Rückfall, Selbstwert, Allerweltsunheil sind deren Zutaten.
Rachsüchtiger Weltschmerz könnte das Namensschild des Backpacks sein.
Auch wenn Rache kalt ist, dient Rache verjährt nie lediglich zum Aufwärmen, der Höhepunkt ist
erst mit Armageddon erreicht. Dabei wagt sich Daniel mit Identität in neue Dimensionen.
Armageddon oder Zug der Rache sind dermaßen Ursprung seiner weiterentwickelten Blutgruppe
Aggressiv, dass sie im ersten Moment vielleicht verstörend wirken, jedoch wäre die Treue zum
Status quo kein Fortschritt.
Erlittenes Unrecht und Menschen und Taten, die ihn leiden ließen, bieten auch dem Hörer
Interpretationsfreiraum. An Möglichkeiten sich selbst wiederzufinden und hineinzuversetzen,
mangelt es nicht. Lines wie Ich will mit dem Bügeleisen töten, anstatt Wäsche bügeln lassen
Vergeltungsgelüste zur amüsanten Angelegenheit werden, sodass der Hörer wenigstens im Innern
gleiche Wünsche erfüllt sieht.
Stop.
Liebe, Beziehung. Es wird gelitten, aber richtig, nicht mehr so häufig, wie auf vorherigen Alben,
jedoch spiegeln sie wider, wie sehr eine gebrochene Beziehung einen Menschen brechen kann.
Und dann und wann folgt doch nochmal der Einbruch, durch den Boden, den man glaubte betoniert
zu haben; der Zeitpunkt, an dem die Erinnerung an das gesunkene Traumschiff dich heimsucht. Nur
um die längst verblasste Vergangenheit im nächsten Moment endgültig als rational abgehandelt zu
erklären.
Record.
Das dritte Album innerhalb von 18 Monaten gepackt mit 20 Songs, ist wie zu erwarten, einzigartig
großartig. Wie auch auf Authentizität und Karma sind die Emotionalität seiner Stimme sowie die
tiefgründigen Lyrics Kennzeichen seiner Musik. Thematisch knüpft Daniel weitgehend an Karma
an - eine Abrechnung mit alten Freunden, die zu Feinden wurden, mit untreuen Menschen, die
nicht bleiben, mit Neidern, die über ihm geiern. Und immer wieder Liebeslast. Doch mit dem
gesellschaftskritischen Themenkomplex hat er ein schon einmal angeschnittenes Feld für sich
weiter erschlossen. Apokalypse, Im Namen der Menschheit oder Offline thematisieren
gegenwärtige, globale Problematiken, und das nicht nur auf abstrakter Ebene. Zu guter Letzt
machen wie immer auch die Songs des Selbstwertgefühls einen Teil des Albums aus.
Alle Themenfelder werden von einer gewissen Melancholie getragen, wodurch die Glorifizierung
der Vergangenheit hin und wieder als Farce der Gegenwart erscheint. Beeindruckend ist auch, mit
welchem Selbstbewusstsein er Veränderungen einbringt. Egal ob ordinäres Vokabular oder
musikalische Änderungen wie zum Beispiel mehrere Gesangseinlagen oder Phasen der stimmlichen
Stille. Blazin' Daniel steht für sich. Die Verschiedenartigkeit der Ansprachen und Atemzüge, der
Beats und Bridges, der Rhythmen und Reime, selbst innerhalb eines Songs, lassen es beim ersten
Hören definitiv nicht zu, sich nebenbei einer anderen geistigen Tätigkeit als dem Zuhören zu
widmen.

Mit Gefallen um wieder aufzustehen und Offline lässt der Abschluss des Albums den gefundenen
Seelenfrieden erahnen. Der Rucksack der Lasten ist entpackt, es geht raus, ohne alles, einfach
Menschsein mit sich selbst. Ein Wind von Optimismus weht ins Ohr. Denn sich einzugestehen, was
falsch läuft, ist der erste Schritt zur Besserung. Und vollbrachte Taten sowieso.
Hol den Rucksack raus, pack ein und aus.
Repeat.